Medienkritik als Erkenntniskritik
Liest du noch oder urteilst du schon? (Folge 1)
Medien umgeben unseren Alltag. Die Sprache der Medien – Bilder, Töne und Texte in Zeitungen, Büchern, Filmen, Radiosendungen usw. – bildet eine Brücke zu Ereignissen, Objekten oder Sachverhalten, die wir selbst nicht direkt erleben oder greifen können. Wir können nicht zu jedem Zeitpunkt an jedem Ort sein und wissen doch immer mehr, als wir unmittelbar erlebt haben. Konsequent formuliert heißt das, dass unser komplettes Weltwissen im Grunde aus den Medien entstammt. Und hier ist die Brücke der Sprache zugleich ein Hindernis. Nur selten bemerken wir, wie die Sprache der Medien die „berichteten“ Sachverhalte vorstrukturiert. Von der Varianz einzelner Wortverwendungen über Wortkomposita, Sätze und deren komplexe grammatische Formen (z.B. die Verwendung von Aktiv vs. Passiv oder Konjunktiv I vs. Konjunktiv II) bis hin zur globalen Funktion von Texten, Bild-Texten und intertextuellen Verknüpfungen liegt in der Sprache eine spezifische Perspektivität (W. Köller: 2004), die es uns unbewusst verhindert, eine „objektive“ oder „neutrale“ Haltung z.B. gegenüber einem Ereignis einzunehmen. Das Wissen um das „Funktionieren“ dieser sprachlichen Mittel, ihr Einfluss auf unsere Rezeptionsstrategien und unsere Lesekompetenz, kann uns zu selbstbewussteren und selbstbestimmten Individuen in der Gesellschaft machen. Sprachkritik bedeutet in diesem Sinne die Reflexion unseres Sprachvermögens im sozialen Kontext. - Das Untersuchen und Freilegen der Prinzipien, die unsere Urteilskraft und unsere Entscheidungen beeinflussen und im schlechtesten Fall beschränken. Medien-kritik ist Erkenntniskritik!
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