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Interdisziplinäre Methoden kritischer Gesellschaftsanalyse - Problematisierende Thesen zum Thema


Der nachfolgende Text war Grundlage der ersten Sitzung des "Kolloquiums für interdisziplinäre Methoden kritischer Gesellschaftsanalyse" vom 22.10.2008:

Der Arbeitstitel des Kolloqiums lässt sich mindestens in vier bzw. fünf Teilbegriffe zerlegen, anhand derer sich folgende leitende Fragestellungen ergeben:

  • Wie lassen sich Gegenstände und Sachverhalte in der Welt „angemessen" untersuchen?
  • Was hat es mit wissenschaftlichen Methoden, Interdisziplinarität und kritischer Gesellschaftsanalyse auf sich? Handelt es sich um drei getrennte und wahlweise kombinierbare Aspekte oder um drei notwendig miteinander verwobene Relata wissenschaftlicher Arbeit?
  • Was ist das ‚Wesen' von „Wissenschaft", was ihre gesellschaftliche Rolle/Funktion?
  • Was ist kritische Wissenschaft - oder: Kann es überhaupt eine ‚unkritische' Wissenschaft geben?

Folgende Überlegungen seien hierzu thesenartig zur Diskussion gestellt:

1)       Wir „untersuchen" die Dinge unserer Erfahrungswelt von Klein auf; ein jeder und eine jede kennt die Neugierde, Gegenstände näher kennen zu lernen, Sachverhalte zu verstehen und sich zu Eigen zu machen. „Zu wissen, was die Welt | im Innersten zusammenhält" sagt Goethes Faust. Das Besondere an der „wissenschaftlichen" Untersuchung liegt jedoch in erster Linie in ihrer Systematik der Beschreibung.

2)       Diese Systematik soll durch immer ‚bessere' Methoden in immer spezifischer sich ausrichtenden Fachrichtungen gewährleistet werden. Zur Methode soll heute mehr denn je „Objektivität" zählen, also Neutralität des Betrachters/Untersuchenden, Transparenz und Nachvollziehbarkeit bei der Entstehung von wissenschaftlichen Ergebnissen. Vor allem in den Natur- und Sozialwissenschaften wird häufig mit den Gütekriterien Objektivität (bei Durchführung, Auswertung und Interpretation der Untersuchungsergebnisse), Reliabilität (Wiederholbarkeit der Ergebnisse) und Validität (Misst das Untersuchungsinstrument, was es soll?) gearbeitet. Vor allem in den Geistes- und teilweise in den Sozialwissenschaften ist jedoch häufig umstritten, ob Objektivität bzw. Neutralität einen ontischen Anspruch auf die Wirklichkeit haben („so ist es!") oder ob auf Grund nie gänzlich erreichbarer Objektivität nur von Plausibilität der Ergebnisse gesprochen werden kann. In jedem Fall will sich die wissenschaftliche Methode von der „Unsystematik", den bloßen Meinungen ‚der Straße' abgrenzen.

3)       Diese Abgrenzung wissenschaftlichen Handelns von sonstigem Handeln verweist aber auch sogleich auf ein zentrales Problem: Methodisches Handeln ist eine Art Disziplinierung derjenigen, die der „Wissenschaft" angehören wollen. Methodik ist also nicht nur bloßes Handwerk, Instrument oder Werkzeug des Wissenschaftlers (!), sondern sozial und gesellschaftlich wirksame Einhegung nach den Regeln der jeweiligen Fach"disziplin".

4)       Genauer hat das bereits Michel Foucault (1974) in seinem (allerdings weiter gefassten) Begriff von Disziplin beschrieben. Danach verfügt jedes Fach über verschiedene Mechanismen - oder wie er in einem Vortrag zur „Ordnung des Diskurses" sagte -: „Ausschließungssysteme". Sie dienen nicht nur der Strukturierung des handwerklichen Ablaufs einer Wissenschaftscommunity, sondern auch der Beschränkung von Handeln und Denken ihrer Mitglieder. Dazu wenige Stichworte:

5)       Jede Fachdisziplin entwickelt eine spezifische Gruppenidentität (also inkludierende und exkludierende Netzwerke). Sie zeigt sich in der Auswahl der Untersuchungsgegenstände (Forschungsinteressen), der unterschiedlichen Theoriebildung („Denkschulen") und Prämissenschau, in ihrer sozialen Systematik (eher „offener" vs. eher „geschlossener"), in ihrem sozialen Habitus („eher steif" vs. „eher leger/locker" usw.) sowie ganz besonders in den sprachlichen Formen ihres Fachdiskurses (Fachsprache). All diese Aspekte gehören zu einer jeweiligen kognitiven/diskursiven „Doktrin" (Foucault) einer Fachdisziplin, an die wir von Beginn des Studiums an sozialisiert werden (von den Fußnoten bis zur ‚zitierfähigen' Sekundärliteratur).

6)       Was kann vor diesem Hintergrund das vielbeschworene Postulat von der Interdisziplinarität bedeuten? - In der Regel kursiert in der traditionellen Wissenschaft häufig die wenig reflektierte, sondern vielmehr politisch intendierte Forderung, man solle „über den Tellerrand der eigenen Disziplin hinausschauen". Wie diese nette Metapher jedoch umzusetzen wäre, bleibt unklar. Die Assoziationen schweifen dabei von der Arbeit „zwischen den Disziplinen" bis hin zur Arbeit „in allen Disziplinen". Beides jedoch entbehrt jeder Realität: „Zwischen den Disziplinen" scheiterte nicht erst an Verständigungsschwierigkeiten, sondern bereits an der zu Grunde liegenden jeweiligen Disziplin-Doktrin. „Alle Disziplinen auf einmal" kann genauso wenig sinnvoll empfohlen werden, da die Ausdifferenzierung der verschiedenen Fächer längst unüberschaubar geworden ist und es damit auch keine ‚Universalgelehrten' alias Goethe oder Hegel mehr geben kann. Kurz: Interdisziplinarität ist heute mehr denn je ein Modewort für „gute" Wissenschaft; was dieses „Gute" jedoch genau sein soll, wissen nicht einmal die Platoniker zu sagen.

7)       Interdisziplinäre Arbeit ist aus diesen Gründen an sich schon ein mühsames Unterfangen, das meines Erachtens jedoch dann fruchten kann, wenn die Prämissen des jeweils eigenen Faches samt ihrer diskursiven Disziplinierungssysteme reflektiert und im gemeinsamen Diskurs kommuniziert werden (Wissenschaftskritik). Berührungspunkte verschiedener Disziplinen, heißt das, können erst da entstehen, wo der Boden, der durch die eigene Disziplin fest getreten wurde, mit dem Spaten der anderen Disziplinen gelockert und reflektiert wird. Erst darauf kann tatsächlich interdisziplinäre Zusammenarbeit an einem Untersuchungsobjekt stattfinden. Wie kann dies praktisch eingelöst werden? - Meiner Meinung nach ausschließlich in der direkten Kommunikation innerhalb einer Arbeitsgruppe; in der gemeinsamen Prüfung disziplinärer Regeln, Denkschemata und Arbeitskontexte; in der Vorstellung des disziplinären Methodenspektrums und der Diskussion ihrer jeweiligen Stärken und Schwächen; nicht zuletzt in der Auseinandersetzung mit den sozialen, politischen und gesellschaftlichen Bedingungen wissenschaftlicher Arbeit.

8)       Wissenschaftliche Arbeit in diesem Sinne ist eingelöste Kritische Wissenschaft. Damit wären wir bei einem weiteren, jedoch entscheidenden Stichwort unserer Fragestellung. Kritik wird umgangssprachlich, aber auch in der traditionellen Wissenschaft in der Regel nur in einem verengten Wortsinn verstanden: Mit (korpus)linguistischen Methoden nach dem semantischen Feld (und damit nach der diskursiven Verwendung) des Wortes „Kritik" gefragt, stellt man überwiegend eine negative Konnotation sowie eine Meinungen fokussierende und funktional-politische Verwendung des Ausdrucks fest. So sind häufige Kookkurrenzpartner (i.e. Wörter, die in Verbindung mit dem untersuchen Wort signifikant häufig auftreten) zum Beispiel (adjektivische) Attribuierungen wie „heftige", „scharfe", „massive", „harsche", „herbe", „vernichtende" Kritik (seltener: „konstruktive" Kritik); ideomatische Wendungen mit Kampfes-Assoziationen wie „ins Schussfeld der Kritik geraten", „ins Kreuzfeuer der Kritik", „Zielscheibe herber Kritik"; wer Kritik als Objekt erfährt, wird „gestoßen", muss Kritik „einstecken", „gerät [also ohne es zu wollen] in Kritik" oder wird „[hilflos] der Kritik ausgesetzt" usw. Nur am Rande wird das Wort „Kritik" im Sinne Kants verstanden und mit „Urteilskraft" assoziiert, doch dazu später. Kurz: „Kritik" wird also überwiegend mit (negativer) subjektiver Bewertung eines Sachverhalts oder Gegenstands (z.B. einer Äußerung) in Verbindung gebracht.                         
Erst als Adverb („kritisch") deutet sich auch ein anderes semantisches Feld des Wortes an: Verben (also die ‚kritischen' Handlungen beschreibende Wörter) wie „[kritisch] hinterfragen", „beäugen", „beurteilen", „beleuchten", „gegenüberstellen", „betrachten" usw. zeigen überwiegend kommunikative Handlungen, die den Grund einer Sache oder eines Sachverhalts zu einem be-urteilenden, also dem zum Urteil unterziehenden Objekt machen. In diesem Sinne sei im Folgenden kritische Wissenschaft und das, was sie ausmachen sollte, weiter erläutert.

9)       Kritische Wissenschaft zeichnet sich dadurch aus, dass sie nicht einfach nur quasi-neutral sich jeder Bewertung enthalte oder transparent, sauber und gewissenhaft arbeite (so das Objektivitätspostulat der traditionellen Wissenschaftsideologie), sondern darin, dass sie in ihren Untersuchungen bestmöglich ihre eigenen Prämissen reflektiert und aus dieser Reflektierung heraus Position in und zu ihrem gesellschaftlichen Kontext bezieht.

10)   Kritik in diesem Sinne begann bereits Kant. Denn er fragte nach den Bedingungen der gedanklichen Urteilskraft, nach den Relationen von Wahrnehmung einerseits und katergorialer/kognitiver Leistung andererseits. Abgesehen davon, dass Kant mittels seiner Kritik nicht bis zur gesellschaftlichen Positionierung kam, sollte das Fragenspektrum im Hinblick auf Prämissen wissenschaftlicher Arbeit mittlerweile auch weitaus umfassender sein. Ich möchte diese Bereiche der Prämissenkritik auf Mikro-, Meso- und Makroebene skizzieren, wie ich sie für sinnvoll und notwendig für jeden Wissenschaftler und jede Wissenschaftlerin zu bearbeiten hielte:

11)   Kritik auf Mikroebene sollte Fragen nach der kognitiven Leistung wissenschaftlichen Handelns stellen. Hierzu gehört zu allererst ein Verständnis von Wissensentstehung, kognitiver Wissensorganisation und der medialen Wissenstransformation (etwa durch Sprache, Bilder usw.). Wie funktionieren Rezeptionsprozesse, etwa beim Lesen oder bei der Aufnahme von Videobildern? Welche Schlussfolgerungen ergeben sich hieraus für die eigene Methodik (etwa im Hinblick auf Inhaltsanalysen, Fragebögen, Interviews usw.)?

12)   Eng mit der Mikroebene verbunden sind Prämissen der Makroebene: Denn Wissen und Sprache werden nicht nur kulturell tradiert und überformt; Wissen strukturiert unser tägliches Handeln und ermöglicht erst, uns gesellschaftlich zu verhalten (Orientierung, Anknüpfung, Austausch usw.). Vor diesem Hintergrund stellt sich folglich die Frage nach den Akteuren und Prozessen, die unser Wissen über uns und die Welt stärker prägen als andere. WissenschaftlerInnen nehmen genau hierbei eine herausragende Rolle ein: Denn die wichtigste Aufgabe von WissenschaftlerInnen besteht im Schaffen und Verändern von kulturellem Wissen; WissenschaftlerInnen sind maßgeblich daran beteiligt, wer wie und zu welchem Zweck Wissen in Handeln umsetzen, als Wissen ‚brauchbar' machen kann.     
Der italienische Philosoph, Historiker und Politiker Antonio Gramsci beschrieb dieses Verhältnis gesellschaftlicher Einbettung und Funktion von Wissenschaft als existentieller Teil von „Hegemonie": WissenschaftlerInnen haben eine herausgehobene soziale Stellung in der Gesellschaft. Sie haben die Autorität, Wissen zu produzieren, d.h. „Ideologie" (wertneutral verstanden als „politische, geistige, kulturelle und moralische Führung in der Gesellschaft"; H. NEUBERT: 2000, 66) zu schaffen. Ideologien sind epistemische (also Wissens-)Strukturen, die sich wiederum in gesellschaftlichen Diskursen und damit letztlich im Denken und Handeln der Einzelnen Geltung verschaffen. Wissenschaftliche Theorie und gesellschaftliche Praxis, oder konkreter zum Beispiel auch historische (also deskriptive) Ergebnisse und politische Einflussnahme, heißt das, sind immer eine Einheit. - „Der Wille zur Wahrheit ist der Wille zur Macht", wusste schon Nietzsche; es liegt an uns WissenschaftlerInnen, mit dieser Macht bewusst umzugehen. Hierzu äußert auch der französische Soziologe Pierre Bourdieu:

Der „positivistische Traum von der perfekten epistemologischen Unschuld verschleiert die Tatsache, dass der wesentliche Unterschied nicht zwischen einer Wissenschaft, die eine Konstruktion vollzieht, und einer, die das nicht tut, besteht, sondern zwischen einer, die es tut, ohne es zu wissen, und einer, die darum weiß und sich deshalb bemüht, ihre unvermeidbaren Konstruktionsakte und die Effekte, die diese ebenso unvermeidbar hervorbringen, möglichst umfassend zu kennen und zu kontrollieren" (P. BOURDIEU: 1997, 394).

13)   Aus diesen Überlegungen ergeben sich sehr praktische Folgen und Fragestellungen für alle WissenschaftlerInnen: Analyse kultureller, d.h. immer auch gesellschaftlicher Verhältnisse ist nie nur eine passive, sich selbst dem Untersuchungsgegenstand entziehende Tätigkeit; einen Sachverhalt zu analysieren und zu beschreiben, bedeutet zugleich, ihn zu verändern - ob wir wollen, oder nicht! Diese Veränderung zeigt sich sowohl im engeren Untersuchungsrahmen, als auch im gesellschaftlichen Kontext. Im engeren Untersuchungsrahmen stellt sich etwa die Frage, inwiefern eine Interviewführung durch unreflektierte Sprach- und Kommunikationsprämissen in eine Vorführung der schon im Voraus gesetzten Thesen mündet; oder inwiefern die Untersuchung eines Diskurses (im Sinne Foucaults) eine Modifizierung desselben nach sich zieht, also kurz: dass man mit der wissenschaftlichen Arbeit im Grunde erst das erzeugt, was man vorgab untersuchen zu wollen (besonders augenfällig zeigt sich dies in der Politik- und Wirtschaftswissenschaft, oder auch in der Psychologie).
Im weiteren gesellschaftlichen Kontext stellen sich Fragen nach dem gesellschaftlichen Stand von WissenschaftlerInnen und ihrer Arbeit: Heute entstammen sie mehr denn je aus sozial besser gestellten Schichten; AkademikerInnen mit Migrations- oder Arbeiterfamilienhintergrund werden auf Grund zunehmend massiverer sozialer Selektionsmechanismen (Sog. Soziale Segregation und damit eine zunehmende Anzahl sog. bildungsferner Elternhäuser; Mehrgliedriges Schulsystem; BA/MA; sog. „Eignungsfeststellungsverfahren usw.) immer seltener. Entsprechend verteilen sich natürlich auch die Untersuchungsinteressen und -ergebnisse der verbleibenden WissenschaftlerInnen (besonders deutlich wird das zum Beispiel in den Rechtswissenschaften). Damit verbinden lässt sich die Feststellung einer immer weiteren Ausdifferenzierung und Klassifizierung der Wissensträger untereinander (z.B. Hierarchie der wissenschaftlichen Grade; Eliteuniversität vs. Massenuniversität; Forschungsprofessur vs. Lehrprofessur usw.) sowie in Abgrenzung zum restlichen Teil der Bevölkerung („Experten" vs. „Laien"/"Autodidakten"). Zu reflektieren ist also auch die Außenwirkung wissenschaftlicher Habitus -, der Einfluss der durch die wissenschaftliche Disziplinierung aufgesetzten Brille und damit einhergehenden Wahrnehmungsveränderung eines Akademikers bei seiner ‚Schau' auf die Dinge und Menschen dieser Welt.   
Diese Überlegungen zielen schließlich auf die Frage, wer für wen oder was zu welchem Zwecke untersucht. Was kann und soll die wissenschaftliche Arbeit für die Gesellschaft beitragen, zumal diese Arbeit nicht „vom Staat" (verstanden als bürokratische, kaum mehr durchschaubare Institution), sondern von der gesamten Gesellschaft finanziert wird? Inwiefern ist das Geld, das auf der Straße erarbeitet und über den Fiskus (oder inzwischen auch direkt als Studiengebühren) an die Wissenschaft weitergereicht wird, so eingesetzt, dass dieselben Leute von der Straße auch etwas davon haben? Ist es vor diesem Hintergrund etwa vertretbar, Bücher nur um der „Reputation" Willen zu schreiben? - Bücher, die von einfachen Leuten nicht bezahlbar, geschweige denn (sprachlich) verständlich sind?

14)   Die exklusive soziale Stellung von uns WissenschaftlerInnen verpflichtet uns, unseren gesellschaftlichen Beitrag möglichst bewusst zu setzen. Wissenschaftliche Arbeit darf meines Erachtens nicht Selbstzweck sein, sondern muss sich um eine Weiterentwicklung unserer Gesellschaft nach demokratischen und solidarischen (also die Mehrheit, und nicht eine privilegierte Minderheit der Gesellschaft betreffenden) Maßstäben bemühen. Denn „eines ist jedenfalls sicher: nichts ist weniger unschuldig, als den Dingen einfach ihren Lauf zu lassen." (P. BOURDIEU: 1997, 429)

15)   Schließlich komme ich auf die Mesoebene zu reflektiertender Prämissen, meines Erachtens dem Dreh- und Angelpunkt möglicher Updates sowohl im Hinblick auf Mikro- als auch auf Makroebene. Gemeint ist die interdisziplinäre wissenschaftliche Binnenkommunikation, die als Plattform für den Austausch disziplinärer Untersuchungsprämissen, -methoden und -ergebnisse fruchtbar gemacht werden kann. Damit verbunden sind Fragen der sprachlichen und konzeptuellen Eigenheiten der verschiedenen Disziplinen, der persönlichen Sozialisierung, der inter- und intradisziplinären Konkurrenz, kurz: potentielle Gründe für Missverstehen und nicht-kommunikatives Verhalten unter WissenschaftlerInnen. Diese lassen sich nur über den Weg der direkten Zusammenarbeit - wie hier im Kolloquium reflektieren und abbauen.

Die Durchdringung der hier skizzierten Mikro-, Meso- und Makroebene der möglichen Prämissenkritik führt meines Erachtens zu einem reflektierte(re)n Verständnis von Theorie und Praxis kritischer Wissenschaft und zugleich zu einer bewusste(re)n Positionierung der eigenen Arbeit und sozialen Rolle in der heutigen Gesellschaft.