Arbeitspapier als erste (interne) Diskussionsgrundlage; Friedemann Vogel (06.06.2008)Entstanden in Folge eines Forum-Blockseminars zum Thema "Kritik universitärer Lernprozesse. Organisatorische Formen und Inhalte einer demokratischen Bildungsakademie" mit Wolf-Dieter Narr (10.05.2008). Kritik ist die Kunst, nicht dermaßen regiert zu werden (Michel Foucault, 1992) 1 Ausgangssituation / Einstimmung. Vorweg: An dieser Stelle geht es mir nicht um eine umfassende Kritik der aktuellen Situation, sondern adressatenspezifisch um eine kurze Skizze der meines Erachtens beiden Hauptge-sichtspunkte mit dem Ziel, die Problematik in Erinnerung zu rufen (für systematischere, insb. historische Betrachtungen sei die bereits in mehreren Auflagen erschienene Streitschrift „ Wider die restlose Zerstörung der Universität “ Wolf-Dieter Narrs ans Herz gelegt):
Da wäre zum Ersten die sich mitten im Entfalten begriffene ökonomische Überformung sämtlicher universitärer Strukturen. Lehrende wie Lernende stehen mitten auf einer Tribüne allumfassender Konkurrenz, einem Wettbewerb, in dem sich scheinbar der (sic!) Beste bewährt und durchsetzt. Soziale Prämissen (etwa Soziale Selektion beim Hochschulzugang), politische Hintergründe (z.B. politisch motivierte Lehrstuhlbesetzung und Forschungsaufträge) und die alles andere als freiheitlich-autonome Konstitution, vielmehr vollkommene Durchhierarchisierung der Hochschule nach quasi-marktwirtschaftlichem Vorbild vom Gesellen (Bachelor) bis zum Vorstandsvorsitzenden (Rektor) werden komplett ausgeblendet. Wer es heute unter den Lehrenden auf das Katheder schafft, ist häufig bereits erfolgreich an diese Strukturen angepasst, politisch liberal bis ungewiss und beflissen im Vokabular zu „Exzellenz“, „Elite“ und „Drittmittel“. Entsprechend wird nur noch jenes gelehrt und beforscht, was potentielle Kunden interessieren könnte. Das Allgemeingut Wissen wird allein unter Effizienz- und Verwertungsansprüchen gemessen, Wissen als Markt-Gut, Lernende wie Lehrende als Humankapital und mit der Einführung von Studiengebühren zu zahlkräftigen und den Landesetat ersetzenden Kunden. Dies führt zum Zweiten: Denn die marktwirtschaftliche Logik fördert und fordert eine zunehmende Trichterdidaktik, wie sie nicht erst mit der praktischen Einführung (nicht zu verwechseln mit dem theoretischen Anspruch von Bologna) von BA/MA-Studiengängen, sondern längst in den bürokratischen Monstern heutiger Universitätsinstitutionen mit mehr als 20 000 Studierenden realisiert wird. Lernen heißt hier nicht selbstständig denkende Person werden, sondern das schnellstmögliche Trainieren reproduktiver Handlungsmechanismen. Nicht: Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein; sondern: Hier bin ich Bachelor, wo pass ich rein! Selbstständiges Denken wird nicht nur nicht vermittelt, sondern systematisch verhindert, an die Stelle erkenntniskritischen, problemorientierten Denkvermögens treten Routinen des optimierten Speicherns und Abrufens. Dem ist auch der Inhalt des Belernten zuträglich: Denn an deutschen Universitäten sind mehr denn je entweder die Theoretiker, die sich in hegelschen Geistern und mit ihnen jeden gesellschaftskritischen Boden verlieren, oder die Praktiker mit viel Gespür fürs Gewerbe, aber wenig Sinn für Erkenntniskritik. Die Folgen bei den Lernenden sind nicht nur ein äußerst begrenztes Vermögen, Wissen auf unterschiedliche Anwendungsbereiche zu transformieren, eigene Meinungen zu entwickeln und zu vertreten oder die eigenen gesellschaftlichen Lebensbedingungen in ihren verschiedenen Abstraktionen zu reflektieren. Mehr noch: Dem Belernten muss alles weichen, was nicht verwertbar ist: Selbstbestimmung, Lösung von Fremdbestimmung, Solidarität, demokratisches Bewusstsein. Die Demokratie an den Hochschulen – und unter hegemonialen Prämissen mit ihnen auch in der Gesellschaft – ist tot: nicht nur auf Grund systematischer Verhinderung, für eigene Interessen Partei ergreifen zu können (wie in Baden-Württemberg und Bayern durch Abschaffung verfasster Studierendenschaften), sondern mit BA/MA mehr denn je auf Grund Mangel kritischen Denkvermögens.
Dieser Entwicklung versuchen bundesweit kleinere und größere Arbeitsgruppen an und um die Universitäten herum entgegenzutreten. Wie das ‚Heidelberger Forum für kritische Theorie und Wissenschaft’ oder die Arbeitsgruppe ‚Kritische Initiative Heidelberg’ organisieren sie einzelne Veranstaltungen, Vorträge, Seminare zu alternativen Themen, versuchen in Lektüregruppen oder durch vereinzelte Textveröffentlichungen Diskussionen anzuregen. Dies geschieht im Rahmen ihrer meist sehr begrenzten finanziellen wie personellen Möglichkeiten. Zudem ist die Arbeit nur ein Tropfen auf den heißen Stein und vermag in Zukunft kaum eine nennenswerte Gegenhegemonie zu bilden. Auf lange Sicht hin werden sich die Strukturen der heutigen Hochschullandschaft verhärten, einige Bedingungen (wie insb. die soziale Selektion in Abhängigkeit vom „Elitestatus“ der jeweiligen Universitäten) werden sich noch weiter verschärfen.
Aus diesem Grund gibt es in Heidelberg die Bestrebung, eine Bundesstiftung als Fundament einer zukünftigen demokratischen Bildungsakademie ins Leben zu rufen. Ziel ist die koordinierte Institutionalisierung der einzelnen Gruppenarbeit, die Organisation der verbliebenen kritischen Forschenden und Lehrenden und die Bündelung der damit verbundenen Inhalte zu wissenschaftlichen Tagungen, zertifizierten Fortbildungen, Lehrgängen und schließlich eigenen staatlich anerkannten Studiengängen. 2 Intention einer demokratischen Bildungsakademie Mit diesem Schreiben ist ein Aufruf an alle kritisch arbeitenden Gruppen in Deutschland verbunden, sich bei Wahrung einer unabhängigen, regional verbundenen Arbeitsstruktur eine bundesweite, parteiunabhängige, institutionalisierte und von der Politik ernst zu nehmende Organisationsform zu geben. Die Intention unserer Bemühungen um Gründung einer demokratischen Bildungsakademie liegt in der Inakzeptanz der momentanen Forschungs- und Lernsituation an den (Hoch-)Schulen. Es ist Zeit, ein umfassendes gegenhegemoniales Bildungsprojekt zu starten und damit direkt in die Bildungsprozesse in Deutschland einzugreifen. Wie könnte ein wissenschaftliches Lehr-Lernen aussehen, das SchülerInnen und Studierende zu demokratiebewussten, marktresistenten Personen macht? Folgende Aspekte wären zu Beginn bedenkenswert: - Wissenschaft als Einheit: „Wissenschaft soll dazu dienen, die Welterklärung und die Lebensbewältigung des Menschen zu verbessern.“ (W.D. Narr: 2002) Wissenschaft, gesellschaftliche Anforderungen sowie individuelle Persönlichkeit müssen prozessual vermittelt, das Einzelne muss im Gesamten und das Gesamte muss mit dem Einzelnen gesehen werden. Die Universität – oder eine alternative Bildungseinrichtung ist daher als ein Ort zu gestalten, „der die Differenzierungs- und die Synthetisierungsprozesse“ gewährleisten kann. - Umfassende Bildung als Voraussetzung für Demokratie: Wissenschaftliche Ausbildung muss dazu führen, dass Lernende zu selbstständigen, kritisch-refletierenden Gesellschaftsindividuen heranwachsen, die Demokratie und Allgemeinheit solidarisch tragen und befördern. Methoden und Auswahl der Inhalte muss zu größerer epistemischer Unabhängigkeit und zu mehr Selbstständigkeit im Umgang mit den gesellschaftlichen Bedingungen beitragen. - Wissenschaftspolitik ist auch Gesellschaftspolitik: daher wäre eine bundesweit institutionalisierte Form alternativer Lehr-Lern-Angebote Teil einer wirksamen Gegenhegemonie und nicht länger bloßer Versuch, am Rande von Universität und Gesellschaft Klein- und Kleinsterfolge in der Kritikfähigkeit von Studierenden erringen zu wollen. Eine Bundesstiftung sollte wissenschaftlich fundierte Positionen zu aktuellen politischen Themen und Gesellschaftsereignissen beziehen und sich nach und nach politisches Gehör verschaffen. - Umsetzung alternativer Lehr-Lernformen: Lernen muss selbstbestimmt ablaufen können, Freiheit und Autonomie sind in diesem Sinne fern des Wettbewerbkonzeptes zu entwickeln und auszubauen. Individualisiertes Lernen genauso wie Entwicklung individueller, selbstbestimmter Denkmuster ist dabei nur in kleinen Gruppen und kleinen Institutionen möglich. Daher wäre Lernen nicht in wöchentlichen Stundensitzungen, sondern in themenbezogenen Blockkursen, verbunden mit Praktika und theoretischer Aufarbeitung, gleichzeitiger Lehre von Theorie, Empirie und Methode einschließlich politischer Reflexionen anzulegen. Eine bundesweit institutionalisierte Form mit Einbindung verschiedener Gruppen und HochschullehrerInnen hätte die organisatorischen wie finanziellen Möglichkeiten, Lernen in dieser Art systematisch und für größere Themenblöcke anzubieten. - Koordinierte Forschung: Neben der Verzahnung von Lernen und Forschen als auch experimentell angelegte Weiterentwicklung könnte eine demokratische Bundesbildungsakademie verschiedene Gruppen von Lernenden und Lehrenden themenspezifisch zusammenführen und den Rahmen bilden für gemeinsame aktuelle und interdisziplinäre Methoden erfordernde Forschungsfragen (z.B. zu Terrorismus, Europarecht, Exzellenzinitiative usw.).
Zusammengefasst auf der Grundlage dieser umrisshaften Gedanken: Die Intention zur Gründung einer Bundesstiftung als Grundlage für eine demokratische Bildungsakademie zielt auf den schon lange ausstehenden Aufbau von staatlich-neoliberaler Ideologie unabhängigen Studien-, Forschungs- und Ausbildungsstrukturen. Eine Bundesstiftung soll die bestehenden Kräfte bündeln und organisatorisch optimieren. Sie soll damit beginnen, eine effektive Gegenhegemonie zu schaffen, wie sie bis zu diesem Zeitpunkt durch die neoliberale Politik erfolgreich abgebaut, verhindert und auch in Zukunft auf Grund der sich etablierenden Strukturen nicht zulassen wird. 3 Aufbau und FinanzierungWie könnte eine Bundesstiftung nach der oben skizzierten Intention organisatorisch realisiert werden? Folgende Aspekte müssten durch die Organisationsform gewährleistet werden: - Stabile(re) und nachhaltige(re) Strukturen beim Aufbau, Bewahren bzw. Ausbau der gesellschafts- und wissenschaftskritischen Arbeit sowohl regional am Ort einzelner bestehender Gruppen als auch bundesweit; - feste Aufgabenbereiche einzelner (Stiftungs-)Mitglieder zur Sicherstellung kontinuierlicher Arbeits- und Organisationsstrukturen wie institutionsbedingte Aufgaben (Finanzen usw.), aber auch die Bereitstellung, Aktivierung und Erhaltung von umfassenden Gruppennetzwerken, forschenden und lehrenden Tagungs- und Arbeitsgruppen usw; - unterschiedliche Mitgliedsformen (passiv, aktiv, kurativ usw.); - stärkere Präsenz in der (Medien-)Öffentlichkeit durch ‚plakatives Image’ (Glaubwürdigkeit, Authentizität); - Annahme von Spenden, Möglichkeit der Erhebung von Mitgliedsbeiträgen, Ausstellung von Spendenquittungen, Rückgriff auf kostengünstige Finanzdienstleistungen (Personenunabhängige Kontenführung u.ä.); - Wahrung der Unabhängigkeit regionaler Gruppen bei gleichzeitiger Bundesorganisation.
Anhand dieser Kriterien wäre eine Bundesstiftung in mindestens vier Bereiche zu gliedern: (1) Mitglieder: Eingeschriebene Mitglieder sind zum einen die Gruppen als Ganze und deren Gruppenmitglieder, ferner Einzelmitglieder (Gasthörer u.ä.), Kuratoriumsmitglieder; für die unterschiedlichen Mitgliederarten können verschiedene Mitgliedsbeiträge erhoben werden.
(2) Plenum: Das Plenum ist das entscheidende Organ des Verbandes, d.h. es beschließt zentrale Fragestellungen wie das Semesterprogramm, Organisation von größeren gemeinsamen Tagungen, Lehrgängen usw., die Aufnahme neuer Gruppen, Änderungen in der Stiftungssatzung, Verwendung von Geldern, politische Äußerungen zu aktuellen Vorgängen in Universität und Gesellschaft. Stimmberechtigte Mitglieder des Plenums sind jeweils z.B. 1 oder 2 Stimmbevollmächtigte der jeweils assoziierten Gruppen. Das Plenum trifft sich mehrfach im Semester.
(3) Wissenschaftliches Kuratorium: Das Kuratorium soll – wie etwa das bestehende Kuratorium des Heidelberger Forums – Kontakte zu wissenschaftlichen KollegInnen aufbauen, erhalten und damit nicht zuletzt die in Arbeit stehenden sowie arbeitslosen WissenschaftlerInnen projektorientiert zusammenführen.
(4) 2 AußenreferentInnen, 1 Kassenwart/wärtin (plus evtl. weitere erforderliche Administrative): Entsprechend den juristischen Anforderungen – doch zugleich diese zum Zwecke größtmöglicher Pluralität umgehend, wählt das Plenum mindestens 2 AußenreferentInnen sowie eineN Kassenwart/Kassenwärtin (= juristisch erster und zweiter Vorsitzender sowie Kassenwart), die die Plenarsitzungen einberufen und vorbereiten, und Verband und Beschlüsse nach außen in der Öffentlichkeit vertreten. Sie haben kein gesondertes Stimmrecht im Plenum; über ein Vetorechte etwa des/der Finanzbeauftragten wäre nachzudenken.
Als weiterer zentraler Bereich könnte angeregt werden, überregional und gruppenübergreifende Fachbereichs- oder Arbeitsthemenschwerpunkte festzulegen, die spezifische Akademiearbeitsziele und -aufgaben übernehmen. Im Hinblick auf Entscheidungsstrukturen wäre hierbei auch zu bedenken, ebenso wie Gruppen bestehende Wissenschaftsbereiche und themenspezifische Lehr- bzw. Forschungsgruppen über ein stimmberechtigtes Mandat in das Plenum zu integrieren. Zur Finanzierung einer solchen Bundesstiftung wären folgende Quellen zu erschließen: - Politische und Allgemeine Stiftungen (insb. zur Realisierung eigener Forschungsprojekte) - Asten - Gewerkschaften (insb. auch für Fortbildungs- und Lehrgänge) - Private, unterstützende Unternehmen (Philipp Reemtsma, Götz Werner udgl.) - Mitgliedsbeiträge
Eine nicht unerhebliche Aufgabe wäre es, einzelne Finanzierungsquellen als dauerhafte Geldgeber, andere für projektbezogene Finanzierung zu gewinnen. Zu Beginn der Arbeit stände sicherlich letztere, mit zunehmender Etablierung strukturierter Lehr- und Forschungsprojekte auch erstere im Fokus. 4 AufgabenWas wären nun die kurz-, mittel- und langfristigen Aufgaben einer neu zu schaffenden Demokratischen Bundesbildungsakademie sowie zur Grüngung einer solchen selbst? Kurzfristig ginge es selbstverständlich zunächst um die Etablierung geeigneter Strukturen, Gründung einer Bundesstiftung und Aufnahme erster Semesterveranstaltungen. - Zur Gründung einer Bundesstiftung schlagen wir vor, in Heidelberg Anfang Oktober eine dreitägige Bundestagung auszurichten, auf der anhand eines noch weiter zu spezifizierenden Gründungskonzeptes die Grundlagen, Strukturen usw. beraten und optimiert werden sollen. Zu dieser Tagung wären zumindest einzuladen:
o alle interessierten Regionalgruppen, vor allem aber diejenigen, die bereits über ein annähernd kontinuierliches Semesterprogramm, regelmäßige Projekte und/oder gar bereits eine institutionelle Form angenommen haben (z.B. reflect!, Gruppe Aachen usw.);
o potentiell dem Projekt nahe stehende Asten (Berlin, Frankfurt u.ä.); o der Bund demokratischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler (BdWi); o das Komitee für Demokratie und Grundrechte; o das Institut für kritische Theorie Berlin (InkriT); o WissenschaftlerInnen des bereits existierenden Heidelberger Kuratoriums; o Interessierte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus dem ganzen Bundesgebiet; o Assoziierte der Nachdenkseiten.de o SDS und Jusos (z.B.) als passiv beratende Tagungsmitglieder o Interessierte Studierende aus dem ganzen Bundesgebiet.
- Nach der erfolgreichen Gründung einer Bundesstiftung sollte das erste Ziel nicht nur sein, das Netzwerk assoziierter WissenschaftlerInnen, Gruppen und Mitglieder auszubauen, sondern primär ein erstes Semesterprogramm bereitzustellen (etwa die Ausrichtung einer ersten wissenschaftlichen Tagung). Ferner wären erste Forschungsprojekte zu initiieren und fachbereichsspezifische (jedoch interdisziplinär ausgerichtete) Fortbildungskurse zu entwickeln, die in Folgesemestern angeboten werden sollten. Mittelfristig wäre es das Ziel, ein bestimmtes Programm an Fortbildungskursen und Forschungsscherpunkten zu etablieren, die gesellschaftliches Gehör finden: - Neben der Gewährleistung eines kontinuierlichen Semesterprogramms unter federführender Beteiligung der verschiedenen assoziierten Gruppen sowie dem Angebot eines bestimmten ‚Sortiments’ an von staatlichen Institutionen zertifizierten Fortbildungslehrgängen (z.B. als finanzierter Lehrexport für die Bundesagenturen für Arbeit, Fortbildungen für Gewerkschaften, KommunalpolitikerInnen und UnternehmensmitarbeiterInnen, schließlich auch für Universitäten oder Privatschulen, wie es das Heidelberger Forum bereits mit Erfolg angegangen ist), sollte es mittelfristiges Ziel sein, das Konzept eines interdisziplinären Kerncurriculums zu Methode, Theorie und Empirie zu entwickeln und daran anschließende Lehr-Lernformen zu beraten. - Halbjährlich ausgerichtete Tagungen machen sich aktuelle Ereignisse und Fragestellungen zum interdisziplinär zu bearbeitenden Gegenstand mit daran anschließenden Publikationen. - Schließlich hat sich die Bildungsakademie öffentlich in gesellschaftlich-politische Diskurse einzumischen; Ziel wäre es, bei Medien und Politik eine gewisse institutionell gestützte Autorität zu bestimmten Sachverhalten zu erlangen.
Langfristig sollte die Arbeit der Bundesstiftung auf die Gründung einer eigenen demokratischen Bildungsakademie zielen: Dies wäre der erste Schritt, eigene unabhängige Forschungsanstalten (ähnlich den Max-Planck-Instituten u.a.) zu realisieren. Anstatt den ungewissen Tag einer Wende in der Bildungspolitik abzuwarten, würden nun eigenständige Bildungsstrukturen etabliert, samt Lehrenden, Forschenden, Lernenden und einer begrenzten Anzahl besonderer und staatlich anerkannter Studiengänge. Die Stiftung ist bis dorthin nicht nur Ersatz, sondern auch notwendige Grundlage für die Existenz einer unabhängigen Bildungsakademie. Ziel ist nicht länger bloßes Randdasein kritischer Ansätze neben fest etablierten neoliberalen Hochschulstrukturen, sondern der parallele Aufbau eigenständiger Bildungsstrukturen. 5 NamensüberlegungenDer Name einer neu zu gründenden Bundesstiftung nach den hier vorgestellten Überlegungen müsste drei Aspekte zum Ausdruck bringen: Erstens den überregionalen Organisationsgrad, zweitens den Kern der Wissenstransformation und die Assoziation zu Bildungseinrichtungen, drittens den gesellschaftspolitischen, demokratischen Imperativ. Hiernach böte sich folgender Name für eine Stiftung: Bundesstiftung für demokratische Bildung (BdB)
sowie für die Kommunikation der Langzeitperspektive der Stiftung und ein späteres Institut: Demokratische Bildungsakademie Deutschland (DBD).
6 Offene Fragestellungen und weitere VorgehensweiseFür die weitere Vorgehensweise sind folgende Überlegungen zu berücksichtigen: - Organisation der „Heidelberger Herbsttagung zur Gründung einer ‚Bundesstiftung für demokratische Bildung (BdB)’“. Hierzu im Vorfeld: Weiterentwicklung des hier vorgelegten Erstkonzeptes, Verschicken dessen und Einladung an in Frage kommende Gruppen und WissenschaftlerInnen. - Ferner sind Rechtsauskünfte zur Gründung einer Bundesstiftung einzuholen. - Erste Sponsoren und potentielle UnterstützerInnen sind zu kontaktieren; darunter insb. Asten und anderen bestehende Institutionen. - Schließlich ist zu bedenken, dass es bereits ähnliche Institutionen wie die hier Angedachte gibt (etwa den BdWi). Es ist genauer zu eruieren, ob die Gefahr der Interessenüberschneidungen besteht bzw. inwiefern synergetisch gearbeitet werden könnte.
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